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Götz Ulrich, Landrat des Burgenlandkreises. FOTO: TORSTEN BIEL

Weißenfels
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Wir wollen digitale Augenhöhe mit den Großstädten erreichen. Das ist das Ziel!

Interview mit Götz Ulrich, Landrat des Burgenlandkreises, zum Jahreswechsel 2020/21

8.01.2021

Zum Beginn des Jahres 2021 zieht der Landrat des Burgenlandkreises Bilanz und blickt außerdem auf die kommenden Monate. Aus diesem Anlass sprach Wolfgang Zerfass mit Götz Ulrich (CDU). 

Wie ist der Breitbandausbau für schnelles Internet im Jahr 2020 im Burgenlandkreis vorangekommen? 

Götz Ulrich: Es gab erfreulicherweise große Fortschritte. Der Breitbandausbau für schnelles Internet in der Gemeinde Elsteraue, den Verbandsgemeinden Droyßiger-Zeitzer Forst und Wethautal sowie den Städten Zeitz und Teuchern konnte im Wesentlichen abgeschlossen werden. In allen anderen Verbandsgemeinden und Städten kamen die Bauarbeiten zumindest ein gutes Stück weiter voran. Alle können ja entlang der Straßen sehen, wo jetzt gerade gebaut wird.

Ein Kabelbündel aus Glasfaserkabeln vor einer sogenannten Speedpipe, einem Leerrohr für ein Glasfasernetzwerk. FOTO: DPA
Ein Kabelbündel aus Glasfaserkabeln vor einer sogenannten Speedpipe, einem Leerrohr für ein Glasfasernetzwerk. FOTO: DPA

Wurden 2020 alle geplanten Arbeiten erledigt? Sind die einstigen Verzögerungen beim Ausbau in Naumburg, Weißenfels, Hohenmölsen und Lützen aufgeholt worden?

Neben den bereits erwähnten Erfolgen beim Breitbandausbau gab es leider auch Verzögerungen. Dies betraf im Großen und Ganzen die Verbandsgemeinden An der Finne und Unstruttal sowie die Städte Hohenmölsen, Naumburg und Weißenfels. Die Menschen warten darauf, dass die Arbeiten erfolgreich zu Ende geführt werden, ich übrigens bei mir zu Hause auch. Die beauftragten Telekommunikationsunternehmen hatten mit begrenzten Planungs- und Tiefbaukapazitäten zu kämpfen und legten mehrere Verzögerungsmeldungen vor. Aufgeholt werden konnten die Arbeiten in Weißenfels und Lützen. Hier stehen die Arbeiten vor dem Abschluss. Die Ausbauarbeiten im gesamten Burgenlandkreis sollen bis Mitte 2021 fertiggestellt werden. Ich bin mir bewusst, wie sehr noch einige Privatpersonen und Unternehmen auf den Breitbandausbau hoffen. Daher sie sich unter Angabe Ihrer genauen Adresse an unsere Stabsstelle Breitbandausbau unter breitband@blk.de wenden, um zu erfahren, wann auch sie schnelles Internet anliegen haben. Den direkten Kontakt haben bereits hunderte Bürgerinnen und Bürger genutzt.

Es hieß, durch Kapazitätsengpässe und Materialmängel wäre die geplante Versorgung aller Gemeinden bis Ende 2020 gefährdet. Die Schulen würden bis 2021 mit Bandbreiten bis 50 Mbit/s versorgt werden. Konnten und können diese Zielsetzungen gehalten werden?


Voranstellen möchte ich, dass die Corona-Pandemie auch den größten Kritikern der Schuldigitalisierung die Augen geöffnet hat. Die Schulen müssen für die Zukunft fit gemacht werden, und dafür ist auch die Digitalisierung notwendig. Aber Digitalisierung in der Schule ist ja viel mehr als schnelles Internet. Es geht auch um die technische Ausstattung der Klassenräume, um die Frage der richtigen Geräte für Schüler und Lehrer und ganz besonders darum, welche Möglichkeiten nun die Pädagogen aus der Vielzahl von digitalen Lehrprogrammen für ihr Fach nutzen. Ein Breitbandanschluss ist also nur eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für das Gelingen von modernem Unterricht, der die Schüler begeistert. Ein 50-Mbit-Anschluss, wie er vielleicht daheim ausreicht, ist für Schulen geradezu ein Flaschenhals. Wenn mehrere Klassen digitale Inhalte herunterladen oder versenden, sind diese Datenmengen schnell erreicht. Wir brauchen also schnelle Glasfaseranschlüsse an jeder Schule. Bis Ende 2021 wollen wir diese gemeinsam mit dem Bildungsministerium Sachsen-Anhalt für alle 87 Schulstandorte im Burgenlandkreis zur Verfügung stellen. Bisher sind die Sekundarschule Reuden und die Landesschule Pforta ans Glasfasernetz angeschlossen worden. Die restlichen Schulen im Burgenlandkreis werden in 2021 angeschlossen.

In Weißenborn laufen die Tiefbauarbeiten zum Breitbandausbau. FOTO: BURGENLANDKRIES
In Weißenborn laufen die Tiefbauarbeiten zum Breitbandausbau. FOTO: BURGENLANDKRIES

Gab und gibt es insbesondere durch die verschiedenen Umstände der Corona-Pandemie Verzögerungen beim Ausbau der Breitbandversorgung?

Die Corona-Pandemie ist auch am geförderten Breitbandausbau im Burgenlandkreis nicht spurlos vorbeigegangen. Leider kam und kommt es bei den mit dem Ausbau beauftragten Unternehmen zum Ausfall von Mitarbeitern, da diese an Corona erkranken oder sich in Quarantäne begeben müssen. Es wird jedoch von den beauftragten Telekommunikationsunternehmen alles darangesetzt, die entstandenen und entstehenden Verzögerungen so gering wie möglich zu halten.

Welche Schwerpunkte werden gesetzt? Werden Industrie und Gewerbe bei der Digitalisierung gegenüber Privatpersonen bevorzugt, eventuell auch Schulen und andere Bildungsträger?


Private und gewerbliche Anschlüsse werden in gleichem Maße ausgebaut. Ich möchte noch einmal betonen: Eine gute Breitbandversorgung ist für die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit unerlässlich, ebenso wie für die Attraktivität von Wirtschaftsstandorten, aber auch für ländliche Gebiete insgesamt. In Zeiten von Digitalisierung von Arbeitsabläufen in Firmen sowie der Nutzung von Homeoffice geht es nicht mehr ohne leistungsfähiges Internet. Sobald gute Breitbandversorgungen in ländlichen Gebieten vorliegen, ist der ländliche Raum auch attraktiver. Homeoffice ermöglicht es für gewisse Berufe, nicht mehr am Arbeitsplatz wohnen zu müssen. Das ist eine Chance für den Wohnstandort Burgenlandkreis. In gleichem Maße wichtig ist daher auch der Ausbau für Privathaushalte.

Aber natürlich benötigen auch die Firmen selbst leistungsfähiges Internet. 2020 konnten 70 Prozent der insgesamt 112 Gewerbegebiete im Burgenlandkreis mit extrem schnellen Glasfaseranschlüssen versorgt werden. 2021 werden die restlichen Gewerbegebiete angeschlossen.

Arbeiten zum Breitbandausbau in der Langen Straße in Taucha. FOTO: ARCHIV/WEIMER
Arbeiten zum Breitbandausbau in der Langen Straße in Taucha. FOTO: ARCHIV/WEIMER

Sind die bisherigen Planungen zur besseren Breitbandversorgung im Landkreis auch im Hinblick auf den Strukturwandel, weg vom Kohleabbau, ausreichend? Oder erfordert die Etablierung neuer Technologien und Arbeitsplätze nicht auch weitere, weitsichtige Anstrengungen in diesem Bereich?

Nein, selbstverständlich können wir uns auf den bisherigen Planungen nicht ausruhen. Eine immer größere Rolle spielt zum Beispiel auch der umfassende Mobilfunkausbau. Hier gehört der Burgenlandkreis, dank einer Initiative der Deutschen Telekom zum Ausbau mit dem neuen Standart 5G und dem Projekt „5G für den Burgenlandkreis“ von Vodafone in der ersten Liga in Europa mit. Allein die Deutsche Telekom betreibt im Burgenlandkreis mittlerweile 87 Sendeanlagen, wobei die Bevölkerungsabdeckung mit 4G (LTE) bei rund 98 Prozent und mit 5G bei fast 50 Prozent liegt. Bis 2022 sollen weitere 20 Standorte hinzukommen. Zusätzlich sind im selben Zeitraum an acht Standorten Erweiterungen mit 4G und 5G geplant. Unser Burgenlandkreis verfügt daher schon heute über einen beachtlichen digitalen Standortvorteil. In diesem Hinblick ist die Ansiedlung der Mobilinfrastrukturgesellschaft des Bundes für den gesamten Burgenlandkreis ein hoffnungsvolles Zeichen. Das bald im Burgenlandkreis vorhandene Know-how für schnellen Mobilfunk wird auch dem vom Strukturwandel betroffenen Mitteldeutschen Revier zu Gute kommen.

Welche Kosten sind mit den Vorhaben verbunden? Welche finanziellen Anteile hat der Landkreis aufzubringen? Liegen die Haushaltsplanungen zur Finanzierung der Projekte noch im ursprünglichen Rahmen?


Für den derzeit im Burgenlandkreis laufenden Breitbandausbau stehen Fördermittel von rd. 16,8 Mio. Euro zur Verfügung. Davon stammen 1,6 Millionen Euro vom Burgenlandkreis selbst. Die meisten Mittel kommen von der Europäischen Union und vom Bund. Wir liegen damit nach wie vor im ursprünglichen Finanzplan.

Diese Gelder schließen aber nur eine so genannte „Wirtschaftlichkeitslücke“ der Telekommunikationsunternehmen, damit diese überhaupt im ländlichen Raum mit wenig Einwohnern die Anschlüsse errichten. Diese investieren also deutlich mehr, nämlich rund 50 Millionen Euro für den Breitbandausbau.

Orange ist die Farbe des Breitbandausbaus: Kabelrollen zwischen Droyßig und Wetterzeube. FOTO: ARCHIV/WEIMER
Orange ist die Farbe des Breitbandausbaus: Kabelrollen zwischen Droyßig und Wetterzeube. FOTO: ARCHIV/WEIMER

Der Verein Saale-Unstrut-Tourismus hat sein Tourismuskonzept überarbeitet und eine digitale Datenbank für Besucher und Anbieter erstellt (wollte das zumindest). Gibt es weitere, jetzt angeschobene oder geplante Projekte in Wirtschaft und Gesellschaft, die demnächst von der schnellen Breitbandversorgung profitieren und vom Landkreis unterstützt werden?

Im Rahmen des Strukturwandels sollen auch Gewerbeflächen mit 5G ausgestattet werden. Dies ist heutzutage ein bedeutender Standortfaktor. Im Industriepark Zeitz sollte dieser Standard möglichst überall geschaffen werden. In der Stadt Zeitz ist zudem mit den Fördermitteln des Strukturwandels ein Digitalisierungszentrum entstanden, das auch Unternehmen berät. Im Bereich der Erwachsenenbildung sind wir während der Pandemie große Schritte bei der Entwicklung digitaler Angebote vorangekommen. Unsere Volkshochschule Burgenlandkreis bietet etwa Ende Februar Workshops „3D-Scan und 3D-Druck„ zusammen mit dem Digitalisierungszentrum Zeitz an.

Welche Zielstellungen im Hinblick auf die Breitbandversorgung gibt es für 2021 und folgende Jahre?

Bis Mitte 2021 kommt das Glasfaser in jedes Dorf, bis Ende 2021 in jede Schule. Wenn das beendet ist, fehlen noch die Glasfaserkabel vom Verteilerkasten im Ort in jedes Haus und jede Wohnung. Erst dann sind wir im Gigabit-Zeitalter angekommen. Wir wollen digitale Augenhöhe mit den Großstädten erreichen, im Festnetzbereich, aber auch im Mobilfunk. Das ist das Ziel! Das wird die Aufgabe der kommenden Jahre bis 2024 sein. Doch auch hier sind wir auf Fördermittel angewiesen und werden diese selbstverständlich einwerben. Nicht zuletzt dafür wird es im Burgenlandkreis ab 2021 die Stabsstelle Strukturwandel geben. Von dort aus werden dann auch Digitalisierung und Breitbandausbau koordiniert.

Sie sehen, wir behalten unseren digitalen Standortvorteil auch weiterhin im Auge und kämpfen mit großem personellen und finanziellen Aufwand für das Fortkommen unseres Burgenlandkreises.