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Weinzeit an Saale und Unstrut

Winzerfest Freyburg: „Plötzlich waren wir in aller Munde“

JUBILÄUM: Weinbauverband Saale-Unstrut feiert 30-jährigen Geburtstag

Winzerfest 1995: Weinkönigin Nancy Boy mit Siegfried Boy. FOTO: WEINBAUVERBAND
Winzerfest 1995: Weinkönigin Nancy Boy mit Siegfried Boy. FOTO: WEINBAUVERBAND
Der Weinbauverband Saale-Unstrut feiert in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag und kann dieses schöne Jubiläum eigentlich nicht gebührend würdigen bzw. feiern. Gerade das Winzerfest wäre wohl die richtige Plattform gewesen, auf die getane Arbeit hinzuweisen.

Denn mit dem Gründungsjahr 1990 begannen ein großer Wandel und eine einzigartige Entwicklung für die Weinregion. Gab es zu DDR-Zeiten gerade einmal zwei Weinbaubetriebe, die Winzergenossenschaft Freyburg und das Volkseigene Gut Bad Kösen und eine im Kulturbund organisierte Schar von Rebfreunden (Fortbestand der Naumburger Weinbaugesellschaft), so legte die Region fortan eine rasante Entwicklung hin.

Als Saale-Unstrut im Jahr 1990 offiziell in die Reihe der deutschen Qualitätsweinbaugebiete aufgenommen wurde, galt es von der Rebfläche her als das kleinste der dreizehn Gebiete in der gesamten Bundesrepublik.
 
Winzerfest 1993: Bürgermeister Martin Bertling geleitet die Weinkönigin Christina Zaubitzer. FOTO: WEINBAUVERBAND
Winzerfest 1993: Bürgermeister Martin Bertling geleitet die Weinkönigin Christina Zaubitzer. FOTO: WEINBAUVERBAND
Die großen Traubenproduzenten – einstige LPGen – hatten sich gerade als Agrargenossenschaften neu aufgestellt. Mit Klaus Remo Deckert in Freyburg, Rudolf Thürkind in Gröst, Uwe Lützkendorf in Bad Kösen und Günter Born in Höhnstedt kam es zu den ersten privaten Weingutsgründungen.

Über 30 Weingüter im Haupterwerb und 40 im Nebenerwerb, das Landesweingut Kloster Pforta und die Winzervereinigung Freyburg weist die gegenwärtige Statistik aus. Interessanterweise saßen schon zur Gründungsversammlung des Verbandes immerhin über 100 zumeist Freizeitwinzer. Zum ersten Präsidenten wurde der Weinbau-Spezialist Stephan Seeliger gewählt.

Heute vereint der Verband 264 Mitglieder, die rund 90 Prozent der Rebfläche des Anbaugebiets repräsentieren. Dazu gehören neben gut 72 Weingütern in Haupt- und Nebenerwerb auch fünf Agrargenossenschaften. 784 Hektar sind derzeit bestockt.

Eine solche positive Entwicklung war nur durch die umfangreiche Unterstützung verschiedenster Wegbegleiter möglich. So halfen erfahrene Partner aus den Weinbaugebieten der alten Bundesländer, so der deutsche Weinbauverband, die Rebschulen sowie die Landespolitik aktiv. Und auch die Landschaft behielt unverwechselbares Gesicht: Historische Terrassenanlagen mit alten Trockenmauern wurden aufwendig saniert, alte Rebflächen rekultiviert, die Weinbergshäuschen saniert und die Weingüter ansehnlich gestaltet, gleichfalls notwendige Investitionen in die Weinbergs- und Kellerausrüstung getätigt.

Auch wenn die 30 Jahre des Weinbauverbandes - verglichen mit der über 1000-jährigen Weinbautradition der Region - nur als ein kurzer Wimpernschlag erscheinen, sind immer wieder neue kreative Ideen willkommen. So konnte die gemeinsame Jungweinprobe mit den sächsischen Winzern eingeführt werden. Es erfolgte die Einrichtung der Weinstraßen an Saale-Unstrut, später auch an den Mansfelder Seen und der Weißen Elster, der Weinbauverband übernahm das Winzerfest und ist seit jeher Veranstalter.

Die Winzer nehmen zudem seit Jahren sehr erfolgreich an verschiedensten Weinwettbewerben, wie der Bundesweinprämierung teil, auch die eigene Gebietsweinprämierung erstrahlt mit neuer Abendveranstaltung seit vergangenem Jahr im modernen Glanz. Einer der entscheidenden Schritte war die Etablierung der Gebietsweinwerbung, die seit 1996 professionell für eine bessere, bundesweite Wahrnehmung des kleinen Anbaugebietes eintritt.

Zu den zahlreichen Höhepunkten in der Verbandschronik gehören aber nach den Worten des Weinbaupräsidenten a.D. Siegfried Boys vor allem die Aktivitäten rund um das Jubiläum „1000 Jahre Wein an Saale und Unstrut“. Boy: „Das sorgte für bundesweites Aufsehen, plötzlich waren wir in aller Munde, sogar die Deutsche Weinkönigin wurde – erstmals in ihrer Geschichte – nicht an der deutschen Weinstraße, sondern in unserem Anbaugebiet gewählt.“

Zu den Erfolgen der jüngeren Geschichte zählt Weinbaupräsident Hans Albrecht Zieger die erfolgreiche Gründung und Anerkennung der Schutzgemeinschaften im zurückliegenden Jahr, aber auch das kontinuierliche Wachstum der Rebflächen, wobei die Qualität der Weine immer im Fokus der Winzer der Region stand und steht.

Auch in der Zukunft gibt es spannende Aufgaben, denen sich der Weinbauverband stellen müsse. So stehe man vor grundlegenden Änderungen im Weinrecht, welche es zukünftig mitzugestalten und für das kleine Gebiet bestmöglich umzusetzen gilt.
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