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Pflege Spezial

Mehr Geld für Pflegekräfte

WERTSCHÄTZUNG soll sich auch in finanzieller Anerkennung zeigen

In den Pflegeheimen bemühen sich Pflege- und Betreuungskräfte liebevoll um ihre Bewohnerinnen und Bewohner. FOTO: JENS WOLF/DPA
In den Pflegeheimen bemühen sich Pflege- und Betreuungskräfte liebevoll um ihre Bewohnerinnen und Bewohner. FOTO: JENS WOLF/DPA
Sie werden in der Corona-Krise als „Helden des Alltags“ gefeiert. Doch von Dankesbekundungen und Applaus können sich Pflegekräfte nichts kaufen. Zum Tag der Pflege, am 12. Mai 2020, wurde auch mehr finanzielle Anerkennung gefordert – und zwar von Verbänden über Gewerkschaften bis hin zu Parteien. Mit Aktionen machten auch Pflegerinnen und Pfleger zum Beispiel unter dem Motto „Klatschen alleine reicht uns nicht“ auf ihre Situation aufmerksam. Selbst Papst Franziskus verschickte eine Botschaft aus Rom und twitterte an die Pflegekräfte: „Ihre Arbeit ist kein Job, vielmehr Berufung und Hingabe. Dafür geben sie in dieser Zeit ein heldenhaftes Beispiel“.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte in einer Botschaft, diejenigen, die in Heimen und zuhause alte Menschen pflegen, leisteten „Enormes für unser Land“. „Sie leben vor, was Solidarität heißt. Dafür danke ich Ihnen aus tiefstem Herzen! Und ich würde mir wünschen, dass wir alle uns auch nach der Krise daran erinnern, was Sie für diese Gesellschaft tun.“

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte eine flächendeckende tarifliche Entlohnung für Pflegekräfte. Während der Corona-Epidemie zeige sich wie unter einem Brennglas, wie wichtig jede und jeder einzelne Beschäftigte in der Pflege sei, sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel. „Anerkennung ist wichtig, bleibt aber ohne Wert, wenn sie nicht in konkrete Verbesserungen mündet.“ Die Linke forderte bei einer Demonstration vor dem Kanzleramt in Berlin 500 Euro pro Monat mehr Grundgehalt in der Branche.

Mehr Mindestlohn und Bonuszahlung

In Alten- und Pflegeheimen müssen einfache Fachkräfte laut Statistischem Bundesamt mit durchschnittlich 3116 Euro Brutto-Monatslohn zurechtkommen. Viele sind auch als Pflegehelfer beschäftigt und kommen nicht auf diese Werte.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) twitterte: „Für jeden von uns ist wichtig, dass es viele Leute gibt, die gerne in der Pflege arbeiten und dafür gut bezahlt werden. Weil wir ältere Angehörige haben, weil wir selbst einmal Pflege brauchen werden. Kämpfen wir für die Anliegen der Pflege, nicht nur heute am Tag der Pflegenden!“

Der Sozialverband VdK hatte kritisiert, dass Pflegekräfte statt Anerkennung leider oft Überstunden anhäuften, zu wenig verdienten und Beruf und Familie kaum unter einen Hut bringen könnten. Langfristig bräuchten sie mehr als Applaus und einen Bonus in der Corona-Krise, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele.

Im Bereich Alten- und Krankenpflege arbeiten rund 1,6 Millionen Menschen. Die Mindestlohnregelungen für die Branche wurden zuletzt ausgeweitet. So soll der Mindestlohn für Hilfskräfte bis April 2022 von jetzt 11,35 im Westen und 10,85 im Osten schrittweise auf 12,55 Euro in Ost- und Westdeutschland angehoben werden. Ab Juli 2021 soll es außerdem erstmals einen Mindestlohn für Pflegefachkräfte von 15 Euro die Stunde geben, der zum April 2022 auf 15,40 Euro steigen soll.

Gewerkschaften und Arbeitgeber verhandeln aber weiterhin auch über einen Tarifvertrag mit besserer Bezahlung, der dann vom Bundesarbeitsministerium für allgemeinverbindlich erklärt werden könnte. Außerdem ist geplant, dass Pflegekräfte einen einmaligen Corona-Bonus von bis zu 1500 Euro bekommen. dpa
    
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