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Agenturchefin Petra Bratzke FOTO: BERTRAM

Halle/Saalekreis
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Arbeitsmarkt bleibt aktuell noch auf Erholungskurs

Beschäftigung: Perspektive bleibt weiter unsicher, je nachdem wie lange der Lockdown anhält.

29.12.2020

Im Bezirk der Agentur für Arbeit Halle waren Ende November 16870 Frauen und Männer von Arbeitslosigkeit betroffen. Das sind 641 Arbeitslose (-3,7 Prozent) weniger als vor einem Monat. Im Vergleich zum Vorjahr sind gegenwärtig 2140 Frauen und Männer mehr arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote, bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen, verringerte sich im zurückliegenden Monat um 0,3 Punkte auf 7,9 Prozent.

„Der Arbeitsmarkt erholt sich langsam, nachdem im Frühjahr die Corona-Pandemie zunächst einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk Halle zur Folge hatte. Inzwischen gehen wieder mehr Arbeitslose in Erwerbstätigkeit ab, als Arbeitnehmer aus Erwerbstätigkeit sich bei uns melden. Die Dynamik am Arbeitsmarkt ist allerdings noch nicht wieder auf Vorkrisenniveau. Aktuell erleben wir isoliert betrachtet zum Vorjahr einen normalen November. Die Effekte des Teillockdown werden sicher erst zeitverzögert sichtbar werden und wesentlich davon abhängen, wie die Bundesund Landeshilfen bei den betroffenen Unternehmen ankommen“, so Petra Bratzke, Chefin der Hallenser Arbeitsagentur.

„Die Agentur für Arbeit Halle wird weiterhin den Fokus auf das Verhindern von Entlassungen bspw. durch das Kurzarbeitergeld legen und Einstellungen u.a. über Eingliederungszuschüsse fördern“, so Bratzke weiter.

Jugendliche

Die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen ist im November erwartungsgemäß weiter gesunken, 1724 Personen, d.h. 172 weniger als im Oktober 2020. Damit nehmen die 15- bis unter 25-Jährigen einen Anteil von 10,2 Prozent aller Arbeitslosen im Agenturbezirk Halle ein. „Wir blicken auf ein erfolgreiches Berufsberatungsjahr 2019/20 zurück, in dem wir jedem Jugendlichen ein Angebot unterbreiten konnten. Dabei werben wir bei den Jugendlichen darum, unbedingt einen Beratungstermin telefonisch oder über unseren neuen Videokanal wahrzunehmen“, so Bratzke weiter. Hotline Berufsberatung: 0345/52491510

Ältere

Der Anteil der Älteren an allen Arbeitslosen liegt bei 30,9 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr steigt die Zahl auf 5206 (Vorjahr 4663). „Auf Grund der demografischen Entwicklung wird die Belegschaft in den Unternehmen immer älter. Dies zeigt aber auch, dass die Firmen erfahrene Fachkräfte im Unternehmen halten und auf deren Fachwissen zurückgreifen, auch in Pandemiezeiten. Der Wissenstransfer in den Betrieben wird in den kommenden Jahren eine zunehmende Rolle spielen. Nur wenn es gelingt, das Wissen der verschiedenen Generationen im Unternehmen zu halten, werden Unternehmen zukunftssicher aufgestellt sein.

Stellenangebote

Die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften hält an. Aktuell haben wir 3289 zu besetzende Stellen im Bestand. Dem gemeinsamen Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Halle und des Jobcenter Halle (Saale) wurden in diesem Jahr bisher 7616 Stellen zur Besetzung gemeldet.

Besonders gute Chancen bestehen weiterhin im Dienstleistungsbereich, in der Lager- und Logistikbranche sowie im Gesundheits- und Sozialwesen. Die Unternehmen suchen Fachkräfte. Ein großes Potenzial bilden dabei die Lebenserfahrenen. Wo berufliche Qualifikationen nicht mehr aktuell sind, kann der gemeinsame Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur Halle und des Jobcenters Halle durch gezielte Weiterbildungsmaßnahmen im Rahmen des Qualifizierungschancengesetzes unterstützen“, betont Petra Bratzke. Hotline des Arbeitgeberservice: 0800 4555520 (gebührenfrei)

Fazit

„Unklar bleibt, wie lange der Lockdown anhält. Darüber hinaus sorgt aktuell das Kurzarbeitergeld dafür, dass die Arbeitslosigkeit nicht ansteigt und Existenzen gesichert werden. AA


Keine Zeit für politische Diskussionen

Handwerk: Duale Ausbildung stärker zum Thema machen.

Trotz der pandemiebedingten Widrigkeiten haben in diesem Jahr fast so viele Jugendliche eine Ausbildung im Handwerk begonnen wie im letzten Jahr. FOTO: DPA
Trotz der pandemiebedingten Widrigkeiten haben in diesem Jahr fast so viele Jugendliche eine Ausbildung im Handwerk begonnen wie im letzten Jahr. FOTO: DPA

In die Lehrlingsrolle der Handwerkskammer Halle wurden in diesem Ausbildungsjahr bisher 1264 neue Verträge für eine Ausbildung im Handwerk eingetragen. „Das sind 59 weniger als zum Vergleichstermin im Vorjahr“, berichtete Dirk Neumann, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer auf der Vollversammlung. Die relativ stabile Zahl an Neuverträgen sei ein Erfolg für das Handwerk, da pandemiebedingt ab März fast alle Berufsorientierungsmaßnahmen ausgefallen waren, so Neumann weiter. Es sei ein Kraftakt gewesen, Schüler, Eltern und Betriebe in der schwierigen Situation zusammenzubringen und bestmöglich über Ausbildungsberufe zu informieren. „Ich sehe hier auch mehr Verantwortung bei der Landespolitik. Die duale Ausbildung muss zum Metathema gemacht werden, denn wenn wir heute keine Facharbeiter und Gesellen ausbilden können, fehlen in wenigen Jahren potenzielle Betriebsnachfolger.“ Er sieht vier Schwerpunkte, denen sich die Politik widmen sollte: Berufsorientierung, Berufsschulstruktur, Finanzierung der Ausbildung und gesellschaftliche Akzeptanz der Ausbildung.

„Wir haben nicht die Zeit, Bildungsthemen zum Spielball politischer Diskussionen zu machen, vielmehr ist zukunftsorientiertes Handeln für Sachsen-Anhalt gefragt“, so der Handwerkskammerchef Neumann. HWK